Was ist eine Infraspinatus-/Teres-minor-Tendinopathie?
Die Anatomie von Infraspinatus und Teres minor
Der Infraspinatus und der Teres minor sind zwei Muskeln der Rotatorenmanschette an der Rückseite des Schulterblatts. Sie sind die wichtigsten Außenrotatoren der Schulter und spielen eine entscheidende Rolle bei der Stabilisierung des Oberarmkopfes, besonders bei Wurf- oder Schlagbewegungen.[1] Ihre Tendinopathie äußert sich durch einen Schmerz an der Rück- oder Seitenseite der Schulter, der oft bei Außenrotationsbewegungen auftritt.
Warum werden diese Sehnen schmerzhaft?
Der Schmerz entsteht, wenn diese Muskeln einer zu hohen wiederholten exzentrischen Belastung ausgesetzt sind, typischerweise während der Abbremsphase einer Wurf- oder Schlagbewegung. Ein Ungleichgewicht zwischen Innenrotatoren (oft zu stark) und Außenrotatoren (oft zu schwach), das bei Wurfsportlern häufig vorkommt, begünstigt diese Tendinopathie besonders.[2]
Welche Sportarten begünstigen diese Tendinopathie?
Alle Sportarten mit Wurf- oder Schlagbewegungen über Kopf beanspruchen diese Außenrotatoren stark:
- Der Handball und Speerwurf
- Das Tennis, insbesondere beim Aufschlag
- Der Volleyball, beim Angriff und Aufschlag
- Baseball und Wasserball
- Kampfsportarten mit Schlägen (Boxen)
- Krafttraining mit einem Ungleichgewicht zwischen Innen- und Außenrotatoren
Symptome und Diagnose der Infraspinatus-/Teres-minor-Tendinopathie
Die typischen Schmerzen und ihre Auslöser
Der Schmerz wird durch die Außenrotation des Arms gegen Widerstand ausgelöst, besonders während der Abbremsphase eines Wurfs oder Schlags. Er sitzt an der Rück- oder Seitenseite der Schulter, manchmal bis in den Arm ausstrahlend, und kann auch alltägliche Bewegungen erschweren, etwa das Greifen nach einem Gegenstand hinter dem Rücken.
Verlauf der Symptome ohne Behandlung
Ohne Behandlung verschärft sich das Ungleichgewicht zwischen Innen- und Außenrotatoren meist weiter: Der Schmerz tritt häufiger auf, die Kraft in der Außenrotation nimmt weiter ab, und die Sportbewegung verschlechtert sich zum Ausgleich, was das Risiko für weitere Schulterverletzungen erhöht.
Differentialdiagnose
Mehrere Schulterschmerzen können dieser Tendinopathie ähneln:
- Eine Supraspinatussehnen-Tendinopathie, die eine andere Sehne der Rotatorenmanschette betrifft und sich eher beim Anheben des Arms zeigt
- Ein Schulter-Engpasssyndrom, das in Betracht kommt, wenn der Schmerz vor allem über Kopf auftritt
- Ein Rotatorenmanschettendefizit, das bei deutlichem und anhaltendem Kraftverlust in Betracht kommt
Ursachen und Risikofaktoren
Die Infraspinatus-/Teres-minor-Tendinopathie entwickelt sich meist durch ein fortschreitendes muskuläres Ungleichgewicht, das mit einer angepassten Reha reversibel ist.
Biomechanische und persönliche Faktoren
- Ein Kraftungleichgewicht zwischen Innenrotatoren (oft zu stark) und Außenrotatoren (oft zu schwach)
- Eine Schwäche der Schulterblattstabilisatoren, die die Überlastung der Außenrotatoren verstärkt
- Eine zu schnelle Steigerung des Wurf- oder Schlagvolumens
- Zu wenig Erholung zwischen Einheiten, die die Abbremsphase der Bewegung beanspruchen
Welche Sportarten begünstigen diese Tendinopathie?
Alle Sportarten mit Wurf- oder Schlagbewegungen über Kopf beanspruchen diese Außenrotatoren stark:
- Der Handball und Speerwurf
- Das Tennis, insbesondere beim Aufschlag
- Der Volleyball, beim Angriff und Aufschlag
- Baseball und Wasserball
- Kampfsportarten mit Schlägen (Boxen)
- Krafttraining mit einem Ungleichgewicht zwischen Innen- und Außenrotatoren
Die Behandlung in der Reha mit einem Sportphysiotherapeuten
Das Ziel der Behandlung ist es, die Außenrotatoren gezielt zu kräftigen, um das muskuläre Gleichgewicht der Schulter wiederherzustellen, während die Belastung auf den betroffenen Sehnen vorübergehend reduziert wird.
- 1Schmerzlinderung und Belastungssteuerung
- 2Beweglichkeit von Schulter und Schulterblatt
- 3Isometrische Kräftigung
- 4Progressive konzentrische Kräftigung
- 5Exzentrische Kräftigung
- 6Arbeit an der Rotatorenmanschette
- 7Korrektur der Sportbewegung
- 8Kräftigung unter sportlicher Belastung
- 9Progressive Rückkehr zum ausgeübten Sport
- 10Rückkehr zum Wettkampf
„Ein starker Außenrotator schützt die Schulter bei jeder Abbremsung der Wurfbewegung.“
Die Kräftigung der Außenrotatoren, Grundpfeiler der Behandlung
Die gezielte Kräftigung von Infraspinatus und Teres minor, insbesondere exzentrisch, gibt ihnen die Fähigkeit zurück, die Abbremsbelastungen der Wurfbewegungen zu absorbieren. Ergänzt wird sie durch eine umfassende Arbeit an der Rotatorenmanschette und den Stabilisatoren des Schulterblatts.
Zusammengefasst
- Gezielte Kräftigung der Außenrotatoren
- Exzentrisches Training in der Abbremsphase
- Ausgleich zwischen Innen- und Außenrotatoren
- Progressive Rückkehr: erst Beweglichkeit, dann Belastung, dann Sport
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Schonen oder weiter Sport treiben?
Vollständige Schonung ist in der Regel nicht nötig. Es ist besser, das Volumen an Wurf- oder Schlagbewegungen, die den Schmerz reproduzieren, vorübergehend zu reduzieren und gleichzeitig zügig mit der gezielten Kräftigung der Außenrotatoren zu beginnen.
Du denkst, du hast eine andere Schulterverletzung?
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Wann eine Fachperson aufsuchen?
Wenn der Schmerz trotz angepasster Aktivität länger als drei bis vier Wochen anhält, oder wenn du einen deutlichen Kraftverlust bei der Außenrotation spürst, wird eine ärztliche Einschätzung empfohlen.
Erwarteter Verlauf der Infraspinatus-/Teres-minor-Tendinopathie
Da diese Tendinopathie meist mit einem funktionellen muskulären Ungleichgewicht zusammenhängt, verläuft sie bei einer gut geführten Reha in der Regel günstig. Eine deutliche Besserung zeigt sich meist innerhalb weniger Wochen, mit einer vollständigen Rückkehr zum Sport, sobald das Gleichgewicht zwischen Innen- und Außenrotatoren wiederhergestellt ist.
Vorbeugung von Rückfällen
Sobald der Schmerz unter Kontrolle ist, helfen mehrere Maßnahmen, das Rückfallrisiko zu begrenzen:
- Die Kräftigung der Außenrotatoren langfristig beibehalten, auch nachdem der Schmerz verschwunden ist
- Weiter am Gleichgewicht zwischen Innen- und Außenrotatoren arbeiten, besonders bei Wurfsportlern
- Das Wurf- oder Schlagvolumen nach einer Phase geringerer Aktivität vorsichtig steigern
- Ein wiederkehrendes Unbehagen nicht ignorieren, es ist ein Zeichen für ein sich erneut einstellendes Ungleichgewicht
Die HOPP-Pflegeprogramme zur Behandlung dieser Tendinopathie und Rückkehr zum Sport
Diese Tendinopathie erfordert einen gezielten Ausgleich der Schulterrotatoren. HOPP bietet dir ein präzises Übungsprogramm, das eine möglichst schnelle Rückkehr zu deinen Aktivitäten ermöglicht.
Das Programm läuft je nach Verletzung über 3 bis 9 Wochen und endet mit einer Reathletisierungsphase, die eine Rückkehr zum Wettkampf unter besten Bedingungen ermöglicht. Jedes Programm wird vom HOPP-Team entwickelt, bestehend aus zwei Sportphysiotherapeuten, die auf die Analyse und Betreuung von Sportlern spezialisiert sind. Während deines Fortschritts findest du außerdem einen theoretischen Teil, um alle Aspekte deiner Heilung zu beherrschen und deine Behandlung eigenständig weiterzuentwickeln. Bei Bedarf steht dir unser Physiotherapeuten-Team zur Begleitung zur Verfügung.
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Ein Programm, das sich jeden Tag an dich anpasst
Jeden Tag wird dein Befinden (RPE) berücksichtigt, um den weiteren Verlauf deines Programms automatisch anzupassen: mehr Belastung, wenn alles gut läuft, etwas weniger, wenn die Schulter protestiert. Diese tägliche Personalisierung macht den Unterschied zu einem starren Programm auf Papier.
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Häufig gestellte Fragen
Ersetzt das HOPP-Programm eine ärztliche Konsultation?
Nein. HOPP ist ein von Sportphysiotherapeuten entwickeltes Begleitungs- und Rehabilitationstool, ersetzt aber nicht die Einschätzung eines Arztes. Wende dich bei Unsicherheit oder anhaltenden Schmerzen an eine medizinische Fachperson.
Ist das Programm für alle sportlichen Niveaus geeignet?
Ja. Jedes Programm wird an deine Sportart, dein Niveau und dein tägliches Befinden angepasst, egal ob du Freizeitsportler bist oder dich auf einen Wettkampf vorbereitest.
Kann ich mit dieser Tendinopathie weiter spielen?
In den meisten Fällen ja, indem du das Volumen an Wurf- oder Schlagbewegungen vorübergehend reduzierst und parallel mit der Kräftigung der Außenrotatoren beginnst.
Wie lange dauert die Heilung?
Ein strukturiertes Programm bringt in der Regel innerhalb weniger Wochen eine deutliche Besserung, mit einer vollständigen Rückkehr zum Sport nach mehreren Wochen progressiver Kräftigung.
Warum habe ich ein Ungleichgewicht zwischen Innen- und Außenrotatoren?
Wurfsportarten trainieren die Innenrotatoren (für die Beschleunigung) von Natur aus viel stärker als die Außenrotatoren (für das Abbremsen), was ein Ungleichgewicht schafft, das durch gezielte Kräftigung korrigiert werden muss.[2]
Muss ich Wurfbewegungen während der Reha komplett einstellen?
Nein, eine vollständige Unterbrechung ist in den meisten Fällen nicht nötig. Besser ist es, das Volumen an schmerzauslösenden Bewegungen vorübergehend zu reduzieren und gleichzeitig mit der gezielten Kräftigung der Außenrotatoren zu beginnen, um eine schrittweise und dauerhafte Rückkehr zu ermöglichen.
Woran erkenne ich, dass meiner Schulter die Außenrotatoren fehlen?
Ein guter Indikator ist der Vergleich der Kraft in Außen- und Innenrotation bei am Körper anliegendem Ellenbogen: Bei Wurfsportlern ist ein deutliches Ungleichgewicht zugunsten der Innenrotatoren häufig und lässt sich durch gezielte Kräftigung der Außenrotatoren korrigieren.
Wissenschaftliche Quellen
- La Rose J, Madrazo-Ibarra A, Varacallo M. Anatomy, Rotator Cuff. StatPearls, NCBI Bookshelf, National Library of Medicine (NIH). ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK441844
- Wilk KE, Meister K, Andrews JR. Current concepts in the rehabilitation of the overhead throwing athlete. American Journal of Sports Medicine, 2002;30(1):136-151. PubMed : pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/11799012
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